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Miscellaneous / Verschiedenes » de.soc.recht.misc » GEZ
| Re: GEZ [message #399676 ] |
So, 23 Juli 2006 22:23 |
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Tom Berger schrieb:
> Am 22 Jul 2006 13:28:58 -0700 schrieb Thomas Hertel:
>
> > Wir reden hier nicht =FCber Rundfunkfreiheit, sondern =FCber =D6RR. Das
> > eine kann sehr gut ohne das andere existieren.
>
> Die Konstruktion als =F6ffentlich-rechtliche Anstalt(en) ist in der Tat n=
icht
> zwingend vorgeschrieben.
Ach? Zwei Postings fr=FCher hatte der =D6RR bei dir noch Verfassungsrang.
> Man k=F6nnte auch einen Verein gr=FCnden, der - wie in
> der Schweiz - dieselben Aufgaben wahr nimmt. Entscheidend ist nicht die
> juristische Konstruktion, sondern die B=FCrgerkontrolle.
Wir kennen auch Pressefreiheit. Die kann ganz prima ohne
=F6ffentlich-rechtliche Anstalten und ohne Vereine leben. Wie kommst du
eigentlich zu der Auffassung, so etwas m=FCsste in irgendeiner Form von
oben herab organisiert sein?
>
> >> 1. Sicherstellung der freien Meinungsbildung - dies geschieht nur durch
> >> Medien mit gesicherter Meinungsvielfalt und Unabh=E4ngigkeit von Staat=
und
> >> Wirtschaft. Der =D6RR ist IMO einer der wichtigsten Grundpfeiler unser=
er
> >> Demokratie.
> >
> > Ach, er ist unabh=E4ngig von der Wirtschaft? Das, was da zwischen den
> > Mainzelm=E4nnchen immer kommt, ist also anspruchsvolle Unterhaltung?
> > Unabh=E4ngig vom Staat? Ach, das hatten wir ja schon.
>
> Nein, das hatten wir noch nicht. Wir hatten da oben die Parteien, und das
> sind immerhin freie B=FCrgerorganisationen.
lol
>
> >> 2. Kontrolle der Medien =FCber Staat und Wirtschaft als Anwalt der B=
=FCrger.
> >
> > Du hast schon mal Bayerischen Rundfunk geh=F6rt?
>
> Ja, und der nimmt seine Aufgaben als Anwalt der bayerischen B=FCrger
> insbesonders dadurch wahr, dass er sich ab und zu beim Scheibenwischer
> ausklinkt.
>
> Mir ist schleierhaft, warum Du forderst, dass in einem Bundesstaat, in dem
> 70% der Bev=F6lkerung mit einer einzigen Partei sympathisieren,
das hat mehr mit Reflexen zu tun als mit Sympathie. Schau dir einfach
mal die Ergebnisse von Kommunalwahlen an. Ganz nebenbei ist Bayern kein
Bundesstaat.
> ausgerechnet
> im Rundfunkrat und allen anderen entscheidenden Posten des BR nicht auch
> B=FCrger sitzen, die zu etwa 70% mit dieser Partei sympathisieren. Die im=
mer
> wieder kritisierten Zust=E4nde beim BR beweisen geradezu die B=FCrgerkont=
rolle!
Das kannst du jetzt einfach nicht ernst meinen. Du willst jetzt
wirklich behaupten, der B=FCrger kontrolliere den BR?
>
> >> 4. Verpflichtung der Medien zur Grundversorgung und zur angemessenen
> >> Versorgung von Minderheiten.
> >
> > Deswegen erlaubt der BGH Mitgliedern von Minderheiten ja auch die
> > Installation von Satellitensch=FCsseln auch gegen den Willen des
> > Vermieters.
>
> Es gibt andere Versorgungsm=F6glichkeiten. QWenn es keine anderen gibt, d=
ann
> kann der Vermieter das nicht verbieten. Au=DFerdem hat das mit dem =D6RR =
nun
> ganz und gar nichts zu tun.
Nein. Aber mit deiner Argumentation.
> > Du hast schon mal von Bild geh=F6rt?
>
> Ja und? Der Rundfunk ist das bzgl der =F6ffentlichen Meinungsbildung das=
bei
> weitem bedeutendste Medium. Niemand liest t=E4glich 3 Stunden lang die
> Bildzeitung,
Nicht einmal BILD selber behauptet, dass es sich um eine Zeitung
handle. Und 3,5 Stunden t=E4glich kann sich wirklich nur der
Chefredakteur mit solchem M=FCll besch=E4ftigen. Alle anderen haben nicht
soviel Zeit daf=FCr.
> aber der Durchschnittsdeutsche konsumiert t=E4glich alleine 3,5
> Stunden TV und eine mir unbekannte Stundenzahl Radio.
und dass sie dabei die privaten mit grossem Abstand bevorzugen, gibt
dir nicht zu denken?
Gru=DF
Thomas
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| Re: GEZ [message #399694 ] |
So, 23 Juli 2006 23:15 |
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Am 23 Jul 2006 13:23:36 -0700 schrieb Thomas Hertel:
> Wir kennen auch Pressefreiheit. Die kann ganz prima ohne
> öffentlich-rechtliche Anstalten und ohne Vereine leben. Wie kommst du
> eigentlich zu der Auffassung, so etwas müsste in irgendeiner Form von
> oben herab organisiert sein?
Aus vielen Gründen, die auch Dir einleuchten sollten, sobald Du erst mal
darüber nachgedacht hast.
Erstens ist in Deinem obigen Satz schon der Gebrauch des Begriffs
"Freiheit" irreführend. Der einzige halbwegs "freie" Rundfunk hierzulande
ist der ÖRR. Der private Rundfunk ist abhängig von der Wirtschaft und er
unterliegt selbst wirtschaftlichen Zwängen, deren Dynamik immer wieder zur
Konzentration der Anbieter führt. Vielfalt der Meinung kann von diesem
privaten Rundfunk, der alles andere als "frei" ist, nicht gewährleistet
werden. Ein privater Rundfunk kann darüber hinaus die Bedürfnisse von
Minderheiten nur sehr unzureichend befriedigen.
Das Geschäftsmodell des privaten Rundfunks besteht darin, der zahlenden
Werbekundschaft die gewünschte Zielgruppe zu liefern. Ein in den
Redaktionen des privaten Rundfunks durchaus existierendes journalistisches
Ethos muss sich diesen Zwängen unausweichlich unterordnen. Der private
Rundfunk tendiert in Verfolgung seines Geschäftsmodells automatisch dazu,
dem Rezipienten in seiner Neigung zu leichtverdaulicher Kost entgegen zu
kommen. Das Programm verflacht. Das deutsche PISA-Debakel ist eine
unmittelbare Folge der Einführung des privaten Rundfunks. Der deutsche
private Rundfunk ist noch nicht einmal in der Lage, ein auch nur entfernt
akzeptables Nachrichtenprogramm auf die Beine zu stellen, obwohl es solche
Versuche wiederholt gegeben hat, und obwohl die Sender aus Prestigegründen
sogar bereit sind, diese Nachrichtenredaktionen als stark defizitäre
Abteilungen durchzufüttern.
Der Zwang zur Quote führt beim privaten Rundfunk zu einer
Überdramatisierung von medienwirksamen Ereignissen aller Art bis zu einem
Punkt, an dem diese Ereignisse selbst in den Hintergrund treten und die
Medienrealität fast nur noch als Selbstinszenierung erscheint. Was damit
gemeint ist: wochenlang berichtete CNN fast nur noch über die
Verfolgungsjagd und juristische Aufarbeitung der Ermordung einer
Ex-Schauspielergattin vermutlich durch ihren ExEhemann - diese
berichterstattung verdrängte internationale Krisen mit zigtausenden von
Toten fast völlig aus der Berichterstattung der US-Medien.
Diese Überdramatisierung der Ereignisse besonders bei der Berichterstattung
über die Kriminalität führt zu einer massiven Verunsicherung der US-Bürger,
die aus eben dieser Verunsicherung zigmillionen von Schusswaffen in ihren
Wohnungen horten und das Recht auf Waffen als elementaren Schutz für sich
und ihre Angehörigen begreifen - und die damit erst recht den
Teufelskreislauf der Gewalt anheizen. Dass die Anzahl der Mordopfer in den
USA um ein Vielfaches höher liegt als in allen anderen zivilsierten
Staaten, wird auf eben dieses Phänomen der Deiner Ansicht nach "freien"
Medien zurück geführt.
Der wirtschaftlichen Dynamik folgend konzentriert sich jeder private
Rundfunk zwingend bis zu einem Punkt, an dem die freie öffentliche
Meinungsbildung aufgrund der Kontrolle des Rundfunks durch wenige
Interessengruppen oder sogar Einzelpersonen gefährdet und auf jeden Fall
massiv erschwert wird. Das Versagen der Demokratie in den USA steht in
unmittelbarem Zusammenhang mit dem Fehlen eines starken ÖRR und der
Konzentration des Rundfunks, der in den USA fast völlig von Rupert Murdoch
kontrolliert wird. Wie sehr die öffentliche Meinung in den USA durch die
Murdoch-Sender kontrolliert wird, ist ganz besonders beim Irakkrieg
sichtbar geworden. Politische Ämter, deren Inhaber in den USA meist direkt
gewählt werden, sind somit für denjenigen käuflich, der den höchsten
Wahlkampfetat hat oder zumindest die besten Wahlkampfstrategen bezahlen
kann. Das Recht ist käuflich.
Ein weiterer, durchaus wesentlicher Punkt besteht darin, dass ein durch
Zwangsgebühren finanzierter ÖRR durch seine Konkurrenz auch den privaten
Rundfunk zu besonders qualitätvollen Angeboten zwingt. Der in den USA
kostenfrei angebotene Rundfunk kommt ausnahmslos nicht über das Niveau von
9Live oder Homeshoppingsendern hinaus. Sender mit einem Angebot, das in
etwa RTL, SAT1 usw nahe kommt, kosten in den USA ausnahmslos Gebühren, die
um ein Vielfaches höher liegen als unsere Rundfunkgebühren, bieten aber
dennoch bei weitem nicht die hierzulande gebotene Meinungsvielfalt.
Etwa 30% der US-Bürger können sich diesen teuren privaten Rundfunk noch
nicht einmal leisten. Diesen Bürgern ist damit faktisch das Recht auf freie
Meinungsbildung (die wg der Medienkonzentration sowieso nicht mehr möglich
ist) entzogen. Zusammen mit dem Umstand, dass den ärmeren
Bevölkerungskreisen der USA auch der Zugang zu höherer Bildung weitgehend
verwehrt ist, ist ein großer und wachsender Teil der US-Bevölkerung
faktisch von der Teilhabe an jeder politischer Machtausübung abgeschnitten.
Ich könnte hier noch eine Stunden weiter machen mit der Aufzählung von
Dingen, die ein privater Rundfunk nicht leisten kann. Aber das hier soll ja
keine Seminararbeit werden.
>> aber der Durchschnittsdeutsche konsumiert täglich alleine 3,5
>> Stunden TV und eine mir unbekannte Stundenzahl Radio.
>
> und dass sie dabei die privaten mit grossem Abstand bevorzugen, gibt
> dir nicht zu denken?
Nöö - mir gibt nur zu denken, wie Du zu dieser Falschbehauptung kommst.
Beim TV hat der ÖRR noch immer mehr als 50% Quote. Wie's beim Radio
aussieht, weiss ich nicht.
Tom Berger
--
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| Re: GEZ [message #399697 ] |
So, 23 Juli 2006 23:15 |
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"Michael Block" <MinkiNE1 [at] web.de> wrote in message
news:4id41oF39hu1U4 [at] individual.net...
> Michel Firholz schrieb:
>
>>> Muss ich nun für diesen Notebook ab nächstes Jahr GEZ zahlen oder nicht?
>>>
>> Müsste überhaupt eine Firma zahlen, wenn sie lediglich Intranet und ein
>> Proxy einsetzt, dass die Rundfunksendungen ausfiltriert?
>
> Der Proxy wäre doch dann der Empfänger, also: ja.
>
Dann wäre auch alles auf dem Übertragungsweg ein Empfänger, jeden Switch
auch.
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| Re: GEZ [message #399705 ] |
So, 23 Juli 2006 23:15 |
|
Tom Berger wrote:
> Sender mit einem Angebot, das in
> etwa RTL, SAT1 usw nahe kommt, kosten in den USA ausnahmslos Gebühren, die
> um ein Vielfaches höher liegen als unsere Rundfunkgebühren, bieten aber
> dennoch bei weitem nicht die hierzulande gebotene Meinungsvielfalt.
>
> Etwa 30% der US-Bürger können sich diesen teuren privaten Rundfunk noch
> nicht einmal leisten. Diesen Bürgern ist damit faktisch das Recht auf freie
> Meinungsbildung (die wg der Medienkonzentration sowieso nicht mehr möglich
> ist) entzogen. Zusammen mit dem Umstand, dass den ärmeren
> Bevölkerungskreisen der USA auch der Zugang zu höherer Bildung weitgehend
> verwehrt ist, ist ein großer und wachsender Teil der US-Bevölkerung
> faktisch von der Teilhabe an jeder politischer Machtausübung abgeschnitten.
>
> Ich könnte hier noch eine Stunden weiter machen mit der Aufzählung von
> Dingen, die ein privater Rundfunk nicht leisten kann.
Und dennoch werden wir bald weltweit amerikanische Verhältnisse haben,
dagegen hilft nichts mehr, es ist zu spät. Ist aber auch egal...
"Wie freilich die Beherrschten die Moral, die ihnen von
den Herrschenden kam, stets ernster nahmen als diese selbst,
verfallen heute die betrogenen Massen mehr noch als die
Erfolgreichen dem Mythos des Erfolgs. Sie haben ihre Wünsche.
Unbeirrbar bestehen sie auf der Ideologie, durch die man sie
versklavt. Die böse Liebe des Volks zu dem, was man ihm antut,
eilt der Klugheit der Instanzen noch voraus."
(Horkheimer / Adorno - Dialektik der Aufklärung)
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| Re: GEZ [message #399716 ] |
So, 23 Juli 2006 23:15 |
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Am Sun, 23 Jul 2006 23:47:44 +0200 schrieb Rudi Menter:
> Und dennoch werden wir bald weltweit amerikanische Verhältnisse haben,
> dagegen hilft nichts mehr, es ist zu spät. Ist aber auch egal...
Für uns ist eine der wichtigsten Verteidigungslinien im Kampf dagegen die
Verteidigung unseres ÖRR. Das solltest auch Du Dir klar machen.
Tom Berger
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