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Finances / Finanzen » de.etc.finanz.boerse » Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben
Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #216537] Mo, 11 April 2005 19:24
Gerd Roppelt  
Die Rahmenbedingungen für Unternehmen und Beschäftigung (und damit
für den Aktienmarkt) sind halt doch ganz anders, als es uns die
bekannten Märchenerzähler weismachen wollen. Das merkt jetzt auch der
Chefökonom der FTD, Thomas Fricke, und verteilt damit eine schallende
Ohrfeige an den Professor Irr-Sinn und andere Verfechter der
neoliberalen Milchmädchenökonomie.

Aus der FTD vom 08.04.2005:
<Zitat>

Kolumne: Die Deutschen verlagern zu wenig

Seit Monaten wird uns erzählt, dass Firmen massenhaft aus Deutschland
fliehen - ob von Ifo-Chef Sinn, "Bild" oder "Spiegel". Dabei stimmt
das gar nicht. Wir bräuchten sogar mehr, die auswärts aktiv sind.

Überschätzte Fluchtbewegung

Der Trend scheint klar, die Aussicht auch. Bald wird es in
Deutschland einfach keine Unternehmen mehr geben. Die sind alle in
Ungarn, Tschechien oder Kirgisien, wo sie jetzt schon massenhaft
hinfliehen. Erst die Großen, dann die Kleinen. So jedenfalls klingt
es, wenn in Deutschland derzeit über die wirtschaftliche Lage
berichtet wird. Die Firmenflucht als Kardinalproblem.

Angeblich. Selten haben sich die Deutschen so an der Nase herumführen
lassen. Erstaunlich, aber wahr: Bei näherer Betrachtung fallen die
Belege für das angebliche Kardinalproblem erschreckend mager aus. Dem
Standort würde es sogar gut tun, wenn mehr deutsche Unternehmen im
Ausland aktiv würden - anders als es die standortpolitischen Rumtata-
Experten im Land tagein, tagaus behaupten.

Mal sind es 150.000 Stellen, die gen Osten verschwinden ("Bild"), mal
1000 am Tag (Opposition). Wer bietet mehr? Seit kurzem verlagerten
"selbst die Stars des deutschen Mittelstands immer mehr
Arbeitsplätze", befindet Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Päh. Der
"Spiegel" behauptet, wir seien "Weltmeister im Export von
Arbeitsplätzen" - was das sonst so penible Blatt dann nur zu belegen
vergisst.

Wettlauf abwegiger Horrorszenarien

Nun lassen sich in einer Volkswirtschaft mit drei Millionen
Unternehmen für fast jede noch so absurde These ein paar rührende
Beispiele finden. Manche Firma ist schon wegen schlechten Wetters zu
Grunde gegangen. Nur belegt das noch kein Massenphänomen - zumal,
wenn immer die Gleichen zitiert werden. Und mancher hilflose Manager
droht gerne der Belegschaft, ohne wirklich zu verlagern.

Hakt man bei Branchenfachleuten nach, kommen Zweifel auf. Dann ist zu
hören, dass von zunehmender Verlagerung eigentlich nicht wirklich die
Rede sein kann. Deutschlands Autobauer haben ihre Beschäftigung im
Inland 2004 aufgestockt. Auch in der amtlichen Statistik sei "nicht
zu erkennen, dass Firmen aus Deutschland fliehen", so die
Investmentbanker von Goldman Sachs. Erst gar nicht in
Billiglohnländer: Von den gesamten Auslandsinvestitionen der großen
Euro-Staaten gingen in den vergangenen Jahren gerade 1,8 Prozent nach
Osteuropa und 0,5 Prozent nach China, errechneten die
Forschungsinstitute der Euroframe-Gruppe*.

Noch grotesker: Der Trend zeigte zuletzt eher nach unten. Mit dem
Abklingen der New-Economy-Euphorie seien die deutschen
Auslandsinvestitionen "rapide" gesunken, notierte die Bundesbank im
März; 2002 und 2003 zogen deutsche Firmen per saldo sogar
Investitionen aus dem Ausland ab. Weiteres Indiz: Die Fertigungstiefe
in der deutschen Autoindustrie sinkt seit Jahren nicht mehr - sprich:
es wird per saldo weder im In- noch im Ausland ausgelagert.

Flotte These frei erfunden

Als ziemlich frei erfunden erweist sich selbst die flotte These von
den nunmehr fliehenden Mittelständlern: Auch 15 Jahre nach Mauerfall
haben nur 1,9 Prozent aller deutschen Mittelständler tatsächlich im
Osten Europas Geld investiert - eindrucksvolles Ergebnis des jüngsten
Mittelstandsmonitors von KfW, Creditreform und Instituten**. Nicht
einmal sechs Prozent "überlegen", das nachzuholen. "Von einer Flucht
kann keine Rede sein, und sie ist auch nicht zu erwarten", resümiert
KfW-Chef Hans Reich. Na so was.

Das Schlimme daran ist, dass Deutschlands standortpolitische
Schauschreiber die Leute im Land längst völlig kirre gemacht haben
vor lauter romantisch-tränenreich vorgetragenem Aha über angeblich
paradiesische Zustände im Osten Europas, wo es an jeder Straßenecke
billige und allseits belastbare Industriearbeitskräfte gibt.
Angeblich.

Die Bedeutung niedriger Kosten werde wohl "etwas überschätzt", so die
Mittelstandsforscher vornehm zurückhaltend. In kleinen Firmen liege
die Produktivität im Osten teils bei mickrigen zehn Prozent hiesiger
Standards. Für erfolgreiche Investitionen komme es zudem auf
Kapitalkosten, Qualifikation, Kapitalausstattung, Effizienz
staatlicher Verwaltungen und möglichst wenig Korruption an - bei den
"meisten dieser Faktoren" hinke Osteuropa doch hinterher. Mancher
Manager stellt verwundert fest, dass die Menschen in den ehemals
kommunistischen Ländern merkwürdige Sprachen sprechen, seltsame
Gewohnheiten pflegen - oder komplizierte Regeln haben. Na, gibts das
auch anderswo? Jeden zehnten Mittelständler halten sprachliche und
kulturelle Hemmnisse von Investitionen im Osten ab. Noch einmal zehn
Prozent wurden von Gesetzen und Bürokratie abgeschreckt. In Polen und
Ungarn verdoppelten sich seit 1998 die Industrielöhne.

Insgesamt haben deutsche Firmen seit Anfang der 90er Jahre nicht
einmal 30 Mrd. Euro im Osten investiert, gerade 0,5 Prozent dessen,
was sie in Deutschland investierten. Und einiges spricht dafür, dass
ein Großteil davon ohnehin wenig mit Verlagerung zu tun hatte,
sondern der Erschließung neuer Märkte diente, die aus der Ferne
schlecht zu bedienen sind. Im Westen habe all das kaum Jobs gekostet,
so die Euroframe-Institute - entgegen aller deutscher Panik. Laut
Bundesbank sind nur 0,08 Prozent aller Unternehmen überhaupt mit
Investitionen im Osten aktiv.

Mittelständler leiden unter Heimattreue

Genau hier liegt das eigentliche Problem. Vieles spricht dafür, dass
das zu wenig ist. Anders als es die Fluchtneurotiker behaupten, gehen
hohe Auslandsinvestitionen eines Landes oder einer Branche nach aller
Erfahrung stets mit hohen Investitionen im Inland einher, wie sowohl
die Ökonomen bei Goldman Sachs als auch die Euroframe-Experten
diagnostizieren. Wer viel im Ausland anlegt, erobert dort einfacher
Märkte, stärkt Wettbewerbsfähigkeit und Umsatz - und kann dann auch
im Inland Geld ausgeben und Jobs schaffen. Laut Euroframe wachsen
Exporte und Produktivität tatsächlich in jenen Ländern besonders
stark, deren Firmen weltweit sehr aktiv sind. Und: Gerade aus den
Regionen, in die Firmen viel investieren, kommen stets auch viele
Investitionen zurück.

Wenn das stimmt, sollten gerade die Deutschen dringend mehr im
Ausland investieren - gerade weil die Schlimmschreiber-These vom
Weltmeister hier so absurd ist. Die Amerikaner haben seit 1992 fast
dreimal so viel im Ausland investiert wie die Deutschen, die Briten
fast doppelt so viel; selbst die Franzosen waren weltweit aktiver.
Bedenklich ist, dass allem Geschwätz zum Trotz nicht einmal jeder 50.
deutsche Mittelständler bislang in Osteuropa Produktionsstätten
aufgebaut hat. Gerade weil die Kleineren so wenig präsent seien,
konnten sie auch vom Exportboom der vergangenen Jahre "relativ wenig
profitieren", urteilt KfW-Chef Reich. Dabei gebe es dafür noch großes
Potenzial.

Es wäre besser, so viele mutige Firmen wie möglich zu unterstützen
und ihre Auslandsengagements zu feiern - als immer neue weltfremde
Untergangsszenarien zu verbreiten.

* "When Jobs disappear and workers do not", Euroframe - EFN Spring
2005 Report, März 2005;
** Mittelstandsmonitor 2005, März 2005.

</Zitat>

Quelle: <http://www.ftd.de/me/cl/2479.html>
--
Viele Grüße
Gerd
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #217190 ] Di, 12 April 2005 21:39
Daniel Urban  
"Gerd Roppelt"
> Aus der FTD vom 08.04.2005:
> <Zitat>
>
> Kolumne: Die Deutschen verlagern zu wenig
>
> Seit Monaten wird uns erzählt, dass Firmen massenhaft aus Deutschland
> fliehen - ob von Ifo-Chef Sinn, "Bild" oder "Spiegel". Dabei stimmt
> das gar nicht. Wir bräuchten sogar mehr, die auswärts aktiv sind.
>
> Überschätzte Fluchtbewegung
>
> Der Trend scheint klar, die Aussicht auch. Bald wird es in
> Deutschland einfach keine Unternehmen mehr geben. Die sind alle in
> Ungarn, Tschechien oder Kirgisien, wo sie jetzt schon massenhaft
> hinfliehen. Erst die Großen, dann die Kleinen. So jedenfalls klingt
> es, wenn in Deutschland derzeit über die wirtschaftliche Lage
> berichtet wird. Die Firmenflucht als Kardinalproblem.

Hier mal ein Interessanter Link, der meine eigentliche Vermutung etwas
nährt:

http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/11.04.2005/1751607.asp

Demnach ist der Umzug ins Ausland lediglich ein Druckmittel gegen die
deutsche Politik.

Gruß,

Daniel
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225510 ] Mi, 13 April 2005 17:10
Gregor Frowein  
"Daniel Urban" <urbandan [at] cs.tu-berlin.de> wrote:

>"Gerd Roppelt"
>> Aus der FTD vom 08.04.2005:
>> <Zitat>
>>
>> Kolumne: Die Deutschen verlagern zu wenig

>Hier mal ein Interessanter Link, der meine eigentliche Vermutung etwas
>nährt:
>
>http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/11.04.2005/1751607.asp
>
>Demnach ist der Umzug ins Ausland lediglich ein Druckmittel gegen die
>deutsche Politik.

Aus dem Artikel kann man irgend etwas herauslesen?

Ich denke eher, das ist jorunalistische Massenware ohne
Informationsgeahlt, gemischt mit der im deutschen Jorunalismus
grassierende Human-Interest-Kacke. Wer will schon wissen, daß
"Wolfgang Glück" (diese Anführungszeichen versteht nicht jeder, macht
aber nix) ein grundsolider Typ ist, der seit 50 Jahren bei Siemens
arbeitet. Warum bitte, soll in Würzburg die Welt noch in Ordnung sein?
Weil so ein Nachwuchsschmierer (der sich vielleicht nachts nicht
traut, allein über den Stutti zu gehen, wegen der Nicht-Ordnung in der
ehem. Reichshauptstadt) ein paar Klischées zusammenleimt, damit er
sich nicht mit Fakten abmühen muß.

Daneben sei den Siemens-Werkern (mir fehlt es absolut nicht an
Mitleid) gesagt, daß es auch in Würzburg sicher entschieden mehr
Arbeitnehmer in erbärmlicheren Verhältnissen gibt, um die auch kein
Hahn kräht und vor allem kein Gewerkschaftsfuntkionär.

Gruß
Gregor
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225514 ] Mi, 13 April 2005 22:57
Michael Blunck  
Gregor Frowein scripsit:

[über div. Erzeugnisse der deutschen Presselandschaft]

> Ich denke eher, das ist jorunalistische Massenware ohne
> Informationsgeahlt, gemischt mit der im deutschen Jorunalismus
> grassierende Human-Interest-Kacke. [...]

Ein uneingeschränktes ACK sowohl hier als auch bzgl. der FTD-Schmiere.

Dagegen enthielt (wieder einmal!) der zeitgleich obwohl zu einem anderen
Thema erschienene aber gleichwohl auch den Begriff "Neoliberalismus"
enthaltende Artikel des Spiegel mehr Wahrheit und Wortwitz.

Sehr zu empfehlen:

"Das Todesspektakel"
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,350754,00.h tml

EKNW und Gruß
Michael
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225517 ] Do, 14 April 2005 08:55
Gregor Frowein  
Michael Blunck <michael.blunck [at] ewetel.net> wrote:

>Sehr zu empfehlen:
>
>"Das Todesspektakel"
> http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,350754,00.h tml

ein guter Scherz und ich bin diesmal wirklich drauf rein gefallen.

Gut gefällt mir die angemahnte "aufklärerische Skepsis". Mehr
Selbstgefälligkeit und Rechthaberei lassen sich kaum in zwei Wörtern
vorstellen und der Rest des Pamphlets wird die Mehrheit der Gläubigen,
die es wagten, diese Feier nach eigenem Gusto zu erleben auch nicht
kratzen. (Die Beerdigung dieses englischen Flittchens fand ich damals
übrigens wesentlich ergreifender; ich hatte stundenlang durchgeheult.
Wunderbar!)

Das reimt sich fast auf Ratzinger und ich fände es so schlecht nicht,
wenn der Papst würde. Das wäre ein Spaß, den die Gutmenschen in der
BRD kaum ertragen könnten.

Gruß
Gregor
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225518 ] Do, 14 April 2005 09:51
Thomas Blum  
Gregor Frowein <grgrfrwn [at] gmx.de> schrieb:

>Michael Blunck <michael.blunck [at] ewetel.net> wrote:

>>"Das Todesspektakel"
>> http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,350754,00.h tml
>
>ein guter Scherz und ich bin diesmal wirklich drauf rein gefallen.
>
>Gut gefällt mir die angemahnte "aufklärerische Skepsis". Mehr
>Selbstgefälligkeit und Rechthaberei lassen sich kaum in zwei Wörtern
>vorstellen

Der eine Teil denkt eben so (sakral) - der andere so wie Du (fatal).
Damit solltest Du leben können. Ich mag manche Ansichten auch nicht.

Materialisten tun mir jedoch sehr leid ...

Ich zitiere:
"Yours non-materialistic"

Thomas
--
Er schlug seine Zeit tot.
Dabei verletzte er auch einige seiner Mitmenschen.
(anonymus)
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225519 ] Do, 14 April 2005 10:28
Michael Blunck  
Thomas Blum scripsit:

> Gregor Frowein [...] schrieb:

>>>"Das Todesspektakel"
>>> http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,350754,00.h tml

>>ein guter Scherz und ich bin diesmal wirklich drauf rein gefallen.
>>
>>Gut gefällt mir die angemahnte "aufklärerische Skepsis". Mehr
>>Selbstgefälligkeit und Rechthaberei lassen sich kaum in zwei Wörtern
>>vorstellen

> Der eine Teil denkt eben so (sakral) - der andere so wie Du (fatal).
> Damit solltest Du leben können. Ich mag manche Ansichten auch nicht.
>
> Materialisten tun mir jedoch sehr leid ...

Du scheinst weder den Artikel gelesen zu haben noch Gregor auf den
verschlungenen Pfaden seiner Fehlinterpretation folgen zu wollen/können. :D

Gruß
Michael
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225520 ] Do, 14 April 2005 11:16
Thomas Blum  
Michael Blunck schrieb:

>Du scheinst weder den Artikel gelesen zu haben ...

"Der Schein trügt", sagte der Scheintote und zerriß den Totenschein.

cu
Thomas


--
Er schlug seine Zeit tot.
Dabei verletzte er auch einige seiner Mitmenschen.
(anonymus)
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225522 ] Do, 14 April 2005 12:12
Gregor Frowein  
Thomas Blum <Thomas_Blum [at] gmx.de> wrote:

>Gregor Frowein <grgrfrwn [at] gmx.de> schrieb:
>
>>Michael Blunck <michael.blunck [at] ewetel.net> wrote:
>
>>>"Das Todesspektakel"
>>> http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,350754,00.h tml
>>
>>ein guter Scherz und ich bin diesmal wirklich drauf rein gefallen.
>>
>>Gut gefällt mir die angemahnte "aufklärerische Skepsis". Mehr
>>Selbstgefälligkeit und Rechthaberei lassen sich kaum in zwei Wörtern
>>vorstellen
>
>Der eine Teil denkt eben so (sakral) - der andere so wie Du (fatal).
>Damit solltest Du leben können. Ich mag manche Ansichten auch nicht.

Sakra(l)ment! da bist du auf dem falschen Dampfer.

Mir mißfällt der Artikel dieses Kinokritikers, weil er sich das Recht
anmaßt, die Beerdigung des Papstes als Spektakel zu denunzieren. Doch
ich lebe andererseits in der heiteren heiteren Gewißheit, hier nur
einen wohl protestantischen Kleingeist beim Geldverdienen zu
beobachten und nehme das nicht all zu ernst.

>Materialisten tun mir jedoch sehr leid ...

Das in einer NG, deren einziges Thema die Mehrung irdischer Güter ist.
Aber ich glaube Dich zu verstehen und gebe Dir vollkommen recht!

Gruß
Gregor
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225523 ] Do, 14 April 2005 13:43
Michael Blunck  
Gregor Frowein scripsit:

>>>>"Das Todesspektakel"
>>>> http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,350754,00.h tml

> Mir mißfällt der Artikel dieses Kinokritikers, weil er sich das Recht
> anmaßt, die Beerdigung des Papstes als Spektakel zu denunzieren.

Da hast du ihn - glaube ich - gründlich missverstanden. Die zweimalige
Erwähnung von Guy Debord hätte dich zum Begriff des "Situationismus"
führen sollen und zu dessen Kernthese dass "Das ganze Leben der
Gesellschaften, in welchen die modernen Produktionsbedingungen
herrschen" nichts als eine "ungeheure Sammlung von Spektakeln" darstellt
[1]. Dies als notwendige Folge der kapitalistischen Umgestaltung der
"Welt" und als Erweiterung der Marx´schen Thesen von Entfremdung und
Ausbeutung auf die neue Rolle des Arbeiters als Konsument bezogen.

Zugegeben, das Thema hätte mehr Sorgfalt verdient gehabt, doch einmal
abgesehen vom ständigen Zeitdruck im schreibenden Gewerbe: wo ausser in
der Berichterstattung über das "inszenierte Sterben des Papstes" hätte
der Autor eine Chance gehabt an so herausgehobener Stelle alte 68er
Anarchismen in Bezug auf die aktuelle globale Problematik zu setzen? :)


[1] Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels
http://www.twokmi-kimali.de/sites/spektakel.htm

Gruß
Michael
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225527 ] Do, 14 April 2005 19:38
Gerd Roppelt  
Michael Blunck <michael.blunck [at] ewetel.net> schrieb:

> FTD-Schmiere

Vielleicht beliebt es dir, uns aufzuklären, was an dem FTD-Artikel
alles falsch ist? (Mal abgesehen davon, daß diverse Märchen nicht
erst seit einigen Monaten erzählt werden, und daß ein Mehr an
Verlagerung nicht unbedingt wünschenswert ist.) Das wäre dann
wenigstens eine Ausführung zum Thema.

Gruß
Gerd
[OT] P [message #225530 ] Do, 14 April 2005 20:30
Gerd Roppelt  
Michael Blunck <michael.blunck [at] ewetel.net> verwies auf

> "Das Todesspektakel"

Auf mich wirkte dieser Artikel wie ein Brechmittel. Begriffe wie
"nekrophiles Woodstock" passen aber zu dem menschenverachtenden,
Fakten und Logik vernachlässigenden Stil, der sich immer öfter in
Spiegel-Online breitmacht.

Gerd
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225531 ] Do, 14 April 2005 20:49
Gregor Frowein  
Michael Blunck <michael.blunck [at] ewetel.net> wrote:

>Gregor Frowein scripsit:
>
>>>>>"Das Todesspektakel"
>>>>> http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,350754,00.h tml
>
>> Mir mißfällt der Artikel dieses Kinokritikers, weil er sich das Recht
>> anmaßt, die Beerdigung des Papstes als Spektakel zu denunzieren.
>
>Da hast du ihn - glaube ich - gründlich missverstanden. Die zweimalige
>Erwähnung von Guy Debord hätte dich zum Begriff des "Situationismus"
>führen sollen und zu dessen Kernthese dass "Das ganze Leben der
>Gesellschaften, in welchen die modernen Produktionsbedingungen
>herrschen" nichts als eine "ungeheure Sammlung von Spektakeln" darstellt
>[1]. Dies als notwendige Folge der kapitalistischen Umgestaltung der
>"Welt" und als Erweiterung der Marx´schen Thesen von Entfremdung und
>Ausbeutung auf die neue Rolle des Arbeiters als Konsument bezogen.

Ich bin ein schlicht gestrickter Zeitungsleser und nehme das Wort vom
Spektakel zum Nennwert, wobei es mir als Banausen wirklich wurscht
ist, was Guy Debord zu sagen hatte. Ich kannte den Herrn vorher nicht.

Wer die Beerdigungsfeier von Papst Johannes Paul II. in die Nähe eines
Spektakels rückt, ist ein Lump und man möchte nicht wissen, welche
Sorte Mensch er so verehrt.

>Zugegeben, das Thema hätte mehr Sorgfalt verdient gehabt, doch einmal
>abgesehen vom ständigen Zeitdruck im schreibenden Gewerbe: wo ausser in
>der Berichterstattung über das "inszenierte Sterben des Papstes" hätte
>der Autor eine Chance gehabt an so herausgehobener Stelle alte 68er
>Anarchismen in Bezug auf die aktuelle globale Problematik zu setzen? :)

Die Zeitung schreibt ihrer vergreisenden Leserschaft nach dem Mund.
Das mag Dir gefallen, aber ich habe keinen Zweifel, daß der
durchschnittliche Spiegelleser mehr als doppelt so alt ist, wie die
Menschen, die sich in Rom auf dem Petersplatz versammelt hatten.

Gruß
Gregor
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltigübertrieben [message #225534 ] Do, 14 April 2005 21:42
Thomas Bliesener  
begin quoting, Gregor Frowein schrieb:
> Wer die Beerdigungsfeier von Papst Johannes Paul II. in die Nähe eines
> Spektakels rückt, ist ein Lump und man möchte nicht wissen, welche
> Sorte Mensch er so verehrt.

Sie war nicht in der Nähe eines Spektakels, sie war selbst eines.

|Spektakel, von lat. Spectaculum für Schauspiel, Augenweide, Anblick, auch
|Krach, Lärm.
|
|Das Wort meint eine Theateraufführung, oder im weiteren Sinn, einen Event
|oder ähnliche Festlichkeiten, die vor allem auf Sinnesreize für das
|Publikum abzielen.
|
|Es wird auch kritisch im Zusammenhang mit Reizüberflutung gebraucht.
|
|Guy Debord kritisierte in seinem Buch Die Gesellschaft des Spektakels die
|moderne Industriegesellschaft als eine einzige Ansammlung von Spektakeln,
|in der wirkliches Erleben kaum noch stattfindet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Spektakel

Vielleicht wäre es etwas näher am Gruppenthema, sich über die Beteiligungen
des Vatikans an Kondomproduzenten zu unterhalten.
--
bli
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225535 ] Do, 14 April 2005 22:33
AlfredNeumann  
"Gregor Frowein" <grgrfrwn [at] gmx.de> schrieb

> Gut gefällt mir die angemahnte "aufklärerische Skepsis". Mehr
> Selbstgefälligkeit und Rechthaberei lassen sich kaum in zwei Wörtern
> vorstellen und der Rest des Pamphlets wird die Mehrheit der Gläubigen,
> die es wagten, diese Feier nach eigenem Gusto zu erleben auch nicht
> kratzen. (Die Beerdigung dieses englischen Flittchens fand ich damals
> übrigens wesentlich ergreifender; ich hatte stundenlang durchgeheult.
> Wunderbar!)

Auch mich hat das Dahinscheiden dieser beiden Persönlichkeiten jeweils tief
erschüttert, wobei ich mich frage, wer mehr zum Wohlergehen der Menschheit
beigesteuert hat.
Beim Papst hat das Sterben sehr lange gedauert, so dass wir alle genug Zeit
zum Trauern und Nachdenken hatten. Gott sei Dank war es uns nicht möglich,
dieses für uns alle so wichtige Ereignis ignorieren zu können, da die Medien
versuchten, den Tod von Juhnke und den Geburtstag von Kohl durch den Tod
dieses erfolgreichen Polen ihrer eigentlichen Bedeutung zuzuführen.

> Das reimt sich fast auf Ratzinger und ich fände es so schlecht nicht,
> wenn der Papst würde. Das wäre ein Spaß, den die Gutmenschen in der
> BRD kaum ertragen könnten.

Mir hat schon immer die sanft-andächtige Stimme von Ratzimger gefallen. Er
hätte sicher auch im deutschen Schlager mit einigen geringfügigen
Textänderungen seinen Mann gestanden.
Dass er singen kann, weiss ich noch aus seiner Zeit in München.
Wenn ein Deutscher jetzt Papst wird, ist das für uns fast so wichtig wie
Bern 1954, weil wir seit dem Krieg nicht mehr so viele internationale
Erfolge verbuchen konnten.
Der Ratzinger wäre vielleicht noch mehr Vorbild für die Jugend, weil er ein
praktisches Beispiel dafür abgibt, wie streng man mit sich selber sein kann.
Wenn man sich beim Ratzinger die Flügel dazudenkt, ist er doch schon auf
Erden ein Engel.

Josef, ich bin stolz auf Dich.

http://www.ratzingerfanclub.com/Biography.html


Yours fanatic Alfred
Re: [OT] P [message #225537 ] Do, 14 April 2005 22:54
AlfredNeumann  
"Jochen Walerka" <jowa.nospam [at] web.de> schrieb >
> Spiegel-Online hin oder her: endlich mal ein Artikel, in dem ein
> Kontrapunkt zu den üblichen, gefühlsduseligen, in religiösem Wahn
> schwelgenden Medienbeiträgen gesetzt wird.
> Wenn eine katholische Minderheit überschnappt, heisst das nicht
> zwangsweise, dass es der mehrheitliche Rest der Menschheit auch tun muss.
> Besonders erstaunlich finde ich, mit welcher Hast und Eile gleich die
> Heiligsprechung eines eher mittelmässigen Katholen-Hitlers betrieben wird.
> Und das von einer Organisation, die es sonst nie so eilig hatte und sich
> z.B. 500 Jahre Zeit liess, um ihre Irrtümer auf wissenschaftlichen
> Gebieten einzusehen.

Willst Du damit sagen, daß der letzte Papst ein Klerikalfaschist war. Dann
verstehe ich nicht warum so viele zum Weinen und Leiche besichtigen nach Rom
gefahren sind.
Na ja,, vielleicht war es ihm zu Lebzeiten gelungen, sie von seiner
Ideologie zu überzeugen. Dann besichtigt der Gläubige doch gerne die
sterblichen Überreste seines geistigen Ziehvaters und begiesst die Saat, die
in gemeinsamer Anstrengung zu seinen Lebzeiten im eigenen Gehirn gesetzt
wurde, mal feierlich mit Tränen.

Halleluja

Eclesiastically yours St.Alfred
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225539 ] Do, 14 April 2005 23:01
Gregor Frowein  
Thomas Bliesener <nospam [at] melix.com.mx> wrote:

>begin quoting, Gregor Frowein schrieb:
>> Wer die Beerdigungsfeier von Papst Johannes Paul II. in die Nähe eines
>> Spektakels rückt, ist ein Lump und man möchte nicht wissen, welche
>> Sorte Mensch er so verehrt.
>
>Sie war nicht in der Nähe eines Spektakels, sie war selbst eines.

Es steht Dir frei, diese Trauerfeier mit einem derart negativ besetzen
Wort zu bezeichnen. Zum Beweis Deiner These kopierst Du ein paar
Zeilen aus der Wikipedia? Das ist lächerlich.

Ich will lieber nicht fragen, ob Du die Feier wenigsten am
Fernsehschirm verfolgt hast?

Gruß
Gregor
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225540 ] Do, 14 April 2005 23:25
AlfredNeumann  
"Gregor Frowein" <grgrfrwn [at] gmx.de> schrieb

>
>>Sie war nicht in der Nähe eines Spektakels, sie war selbst eines.
>
> Es steht Dir frei, diese Trauerfeier mit einem derart negativ besetzen
> Wort zu bezeichnen. Zum Beweis Deiner These kopierst Du ein paar
> Zeilen aus der Wikipedia? Das ist lächerlich.

Das ist nicht mehr oder weniger lächerlich als jedes andere Zitat.

> Ich will lieber nicht fragen, ob Du die Feier wenigsten am
> Fernsehschirm verfolgt hast?

Was gibt es für einen Grund, in irgend einer Form dem Zirkus um den Tod des
Oberhaupts einer Religionsgemeinschaft beizuwohnen.
Wenn es für Dich wichtig ist, geselle Dich zu den Gaffern, aber warum willst
Du es zur Tugend erheben?
Ich mach ja auch nicht Big Brother zur Pflichtsendung.

Yours bothering Alfred
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #225541 ] Do, 14 April 2005 23:41
Thomas Blum  
"Alfred Neumann" schrieb:

>Was gibt es für einen Grund, in irgend einer Form dem Zirkus um den Tod des
>Oberhaupts einer Religionsgemeinschaft beizuwohnen.

Das frage die Pilger ...

>Wenn es für Dich wichtig ist, geselle Dich zu den Gaffern, aber warum willst
>Du es zur Tugend erheben?

Full ACK

Die Medien sorgen dafür, daß der Gegenstand ein Spektakel wird!
Es ist eine Tugend, nicht zu gaffen ...

(Ich habe übrigens nicht gegafft - "das" Sterben ab und zu im Internet
verfolgt; so wußte ich um etwa 21.55 vom Tod, welcher von Radio
Vatikan verlautbart wurde).

BTW: Der Begriff Spektakel kommt aus der Antike - angesichts
einer Trauerfeier kann man ihn wohl nicht benutzen.
Der Autor / Kritiker hat wohl keine humanistische Bildung erfahren.

Soweit noch mein Senf ...

cu
Thomas

--
Er schlug seine Zeit tot.
Dabei verletzte er auch einige seiner Mitmenschen.
(anonymus)
Re: [OT] P [message #225542 ] Do, 14 April 2005 23:42
Thomas Blum  
"Alfred Neumann" <AlfredNeumann [at] gmx.de> schrieb:



>Eclesiastically yours St.Alfred

*räusper*

ecclesia = die Kirche

Yours correcting
Thomas
--
Er schlug seine Zeit tot.
Dabei verletzte er auch einige seiner Mitmenschen.
(anonymus)
Re: [OT] P [message #225543 ] Do, 14 April 2005 23:53
Hartmut Schenke  
Alfred Neumann schrieb:

[...]

> Willst Du damit sagen, daß der letzte Papst ein Klerikalfaschist
> war. Dann verstehe ich nicht warum so viele zum Weinen und Leiche
> besichtigen nach Rom gefahren sind.
> Na ja,, vielleicht war es ihm zu Lebzeiten gelungen, sie von seiner
> Ideologie zu überzeugen. Dann besichtigt der Gläubige doch gerne die
> sterblichen Überreste seines geistigen Ziehvaters und begiesst die
> Saat, die
> in gemeinsamer Anstrengung zu seinen Lebzeiten im eigenen Gehirn
> gesetzt wurde, mal feierlich mit Tränen.
>
> Halleluja

In einer anderen newsgroup gab es einen thread "Ein Massenmörder ist
verreckt." Grund: Viele Aids- und Hungertote (Kondom- und
Verhütungsverbot). Es wurde ihm posthum viel Spaß in der Gesellschaft
von Hitler, Stalin und Pol Pot gewünscht.

Gruß
Abdul
Re: [OT] P [message #226323 ] Fr, 15 April 2005 13:49
Notifier Deamon  
Post removed (X-No-Archive: yes)
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #226330 ] Fr, 15 April 2005 16:07
Gregor Frowein  
"Alfred Neumann" <AlfredNeumann [at] gmx.de> wrote:

>Was gibt es für einen Grund, in irgend einer Form dem Zirkus um den Tod des
>Oberhaupts einer Religionsgemeinschaft beizuwohnen.

Es geht hier nicht um das Oberhaupt _einer_ Religionsgemeinschaft. Der
Papst ist gestorben und wem dies unwichtig ist, der mag sich an
formalen Nebendingen festbeißen, aber er soll die Katholiken schon
selbst entscheiden lassen, in welcher Form sie die Trauerfeier
begehen. Es hat in der jüngeren Geschichte schon fragwürdigere
Massensammenkünfte gegeben und es ist andererseits in den letzten 20,
30 Jahren kein Mensch gestorben, der deutlichere Spuren auf der Welt
hinterläßt.

>Wenn es für Dich wichtig ist, geselle Dich zu den Gaffern, aber warum willst
>Du es zur Tugend erheben?

Ich war kein Gaffer, sondern fühlte mich am Fernseher als Teilnehmer
dieser Trauerfeier.

Ich nehme dafür gern billigen Spott in Kauf.

Gruß
Gregor
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #226334 ] Fr, 15 April 2005 20:25
AlfredNeumann  
"Gregor Frowein" <grgrfrwn [at] gmx.de> schrieb im Newsbeitrag
news:sahv51lchqrmfug831hl022ddpt8aak1jj [at] 4ax.com...
> "Alfred Neumann" <AlfredNeumann [at] gmx.de> wrote:
>
>>Was gibt es für einen Grund, in irgend einer Form dem Zirkus um den Tod
>>des
>>Oberhaupts einer Religionsgemeinschaft beizuwohnen.
>
> Es geht hier nicht um das Oberhaupt _einer_ Religionsgemeinschaft.

Wenn es Deine bevorzugte ist - natürlich _DER_.

> Der Papst ist gestorben und wem dies unwichtig ist, der mag sich an
> formalen Nebendingen festbeißen, aber er soll die Katholiken schon
> selbst entscheiden lassen, in welcher Form sie die Trauerfeier
> begehen.

Ich hatte nach dem GRUND gefragt !

> Es hat in der jüngeren Geschichte schon fragwürdigere
> Massensammenkünfte gegeben und es ist andererseits in den letzten 20,
> 30 Jahren kein Mensch gestorben, der deutlichere Spuren auf der Welt
> hinterläßt.

Die Beurteilung dieser Spuren kann auch andere Gefühle als Trauer auslösen.


>>Wenn es für Dich wichtig ist, geselle Dich zu den Gaffern, aber warum
>>willst Du es zur Tugend erheben?
> Ich war kein Gaffer, sondern fühlte mich am Fernseher als Teilnehmer
> dieser Trauerfeier.

Identifikation mit dem "Lebenswerk" des Verstorbenen befreit zwar vom
Gaffervorwurf.
Man sollte allerdings nicht Unbeteiligte vereinahmen wollen, weil das die
bei reliösen Menschen übliche Tour ist, Einsicht durch Bekenntnis zu
ersetzen (Missionierung).

> Ich nehme dafür gern billigen Spott in Kauf.

Woytila wird Dir helfen, den Schmerz zu ertragen, den ich Dir zugefügt habe.
Deine Wunden sind die Eintrittskarte für ein besseres Jenseits, wo Du Deinen
Freund wiederfinden wirst.

Spott ist übrigens DIE Alternative zum Beten.

Amen.


Praying, Yours Alfred.
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltigübertrieben [message #226338 ] Fr, 15 April 2005 23:38
Werner Jakobi  
Gregor Frowein <grgrfrwn [at] gmx.de> posted:

>und es ist andererseits in den letzten 20,
>30 Jahren kein Mensch gestorben, der deutlichere Spuren auf der Welt
>hinterläßt.

Richtig. Keiner, der in den letzten 30 Jahren gestorben ist, hat auch nur
annähernd so viel Rückschritt bewirkt.


Gruss, Werner
--
Morver, der Rollstuhl fuer kranke Windows-Newsreader und fuer OE.
Aktuelle Version 1.0.305: http://www.morver.de/
Re: [OT] P [message #226339 ] Sa, 16 April 2005 00:09
AlfredNeumann  
"Gerd Roppelt" <gerd.roppelt [at] gmx.de> schrieb im Newsbeitrag
news:d3mjor.88.1 [at] saarbruecken.de...
> Michael Blunck <michael.blunck [at] ewetel.net> verwies auf
>
>> "Das Todesspektakel"
>
> Auf mich wirkte dieser Artikel wie ein Brechmittel.

Hast Du gekotzt? Etwa auf die Tastatur? Igitt (pfuideifi), das kann nicht
sein!


>Begriffe wie
> "nekrophiles Woodstock" passen aber zu dem menschenverachtenden,
> Fakten und Logik vernachlässigenden Stil, der sich immer öfter in
> Spiegel-Online breitmacht.
>

Ah Gottseidank, alle Buchstaben noch da.
Aber ich verstehe trotzdem nicht, was Du meinst.
Vielleicht bist Du nur sauer, weil Dein Artikel geofftopict wurde.
Aber das vergeht wieder.

Yours emetic Alfred
Re: [OT] P [message #226340 ] Sa, 16 April 2005 00:21
AlfredNeumann  
"Thomas Blum" <Thomas_Blum [at] gmx.de> schrieb im Newsbeitrag
news:psot51lsk1mif77vku0g2g5dj0nb3u0rcf [at] 4ax.com...
> "Alfred Neumann" <AlfredNeumann [at] gmx.de> schrieb:
>
>
>
>>Eclesiastically yours St.Alfred
>
> *räusper*
>
> ecclesia = die Kirche
>
> Yours correcting
> Thomas

Das c wurde unterwegs in einem muslimischen TCP/IP-Knoten geraubt, weil
sie es für eine Moshe brauchten.

Ich hatte beid c's angegeben.

Yours sniffing Alfred


PS: Auch das Email war Sabotage
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #226341 ] Sa, 16 April 2005 00:39
ddsoft3  
In <sahv51lchqrmfug831hl022ddpt8aak1jj [at] 4ax.com> Gregor Frowein schreibt:

>begehen. Es hat in der jüngeren Geschichte schon fragwürdigere
>Masse gegeben und es ist andererseits in den letzten 20,
>30 Jahren kein Mensch gestorben, der deutlichere Spuren auf der Welt
>hinterläßt.

Gerade diese von der Presse gefoerderte Einstellung ist das, was
diese Berichterstattung so unertraeglich macht.
Ich habe in den letzten Jahren einige Menschen verloren, die bei
mir deutlichere Spuren als alle anderen hinterlassen haben.
Und es gibt Millionen Menschen denen Gleiches im Bezug auf
die ihnen Nahestehenden passiert ist. Tausenden allein in diesen
zwei Wochen "oeffentlichen Papststerbens".

Und dann wird einem eingehaemmert, der Papsttod sei etwas ganz
besonderes, waehrend die eigenen Leute, die du vielleicht monatelang
ohne Hoffung geflegt hast, nur unwichtige kleine Lichter waren.

Diese Show war einfach nur ekelhaft, und da sie angeblich der
ausdrueckliche Wunsch dieses Mannes war, hat sich wohl schon lange
keiner mehr selbst freiwillig so blossgestellt. Dieser Mensch hatte
offensichtlich nicht den Hauch eines Interesses am Leben und den
Problemen anderer Menschen.


--
--
Dino Warner
Visit http://members.aol.com/ddsoft and download a
free calculator for options, futures, bonds and similar stuff
Re: [OT] P [message #226342 ] Sa, 16 April 2005 00:41
ddsoft3  
In <425ee96b$0$7529$9b4e6d93 [at] newsread2.arcor-online.net> Hartmut Schenke
schreibt:

>In einer anderen newsgroup gab es einen thread "Ein Massenmörder ist
>verreckt." Grund: Viele Aids- und Hungertote (Kondom- und
>Verhütungsverbot). Es wurde ihm posthum viel Spaß in der Gesellschaft
>von Hitler, Stalin und Pol Pot gewünscht.

Du verstehst das falsch.
Er war ein erfolgreicher Vorstandsvorsitzender.
Durch Verbot der Gummis hat er erstens den Umsatz
im Geschaeftsbereich Taufen erhoeht und gleichzeitig
ueber dem Umweg Aids den Umsatz im Geschaeftsbereich
Beerdigungen erfolgreich maximiert.

Da es immer weniger Kriege gibt ist der Geschaeftsbereich
"Segnen der Waffen auf beiden Seiten" ja leider kaum noch
ausbaubar.

Aber hervoragend gemanaged war die PR-Zusammenarbeit mit
den diversen Presseorganen bei der als Trauerfeier usw.
getarnten Dauerwerbebesendung. Wie man hoert hat der
Vatikan diese 2 Wochen Werbungszeit umsonst bekommen.
Bezahlt haben stattdessen die anderen Firmen, die
waehrend der Uebertragung ab und zu eigene Werbung
einblenden durften.

Leider stecken die Vorbereitungen zur IPO des Vatikans
immer noch in den Kinderschuhen. Ich vermute, sie haben
Angst vor einer feindlichen Uebernahme durch eine andere
Sekte.

Eingige Wettbewerber sind bei der kommerziellen Verwertung
nicht benoetigter Vermoegensteile uebrigens schon weiter:

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Dino Warner
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Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #226345 ] Sa, 16 April 2005 08:06
AlfredNeumann  
"Thomas Blum" <Thomas_Blum [at] gmx.de> schrieb

>
> (Ich habe übrigens nicht gegafft - "das" Sterben ab und zu im Internet
> verfolgt; so wußte ich um etwa 21.55 vom Tod, welcher von Radio
> Vatikan verlautbart wurde).


Du konntest ihm aber auch nicht mehr helfen?

Ich wurde durch das unvermittelte Unterbrechen einer Fernsehsendung (dong)
zwangsinformiert und habe dann mit Erleichterung die Todesnachricht
empfangen, da ich schon befürchtet hatte, dass sich die Sterbezeromonie über
Monate hinzieht. Der Papst sagte zuletzt ja angeblich auch: "Ich bin froh,
sei ihr es auch".

Ich vermute, daß sie mit dem Todeszeitpunkt warten mussten, bis die Kotze
von Juhnke aufgewischt war und Petrus medizinisch versorgt und frisch
geschminkt.

Ich setze jetzt auf Ratzinger, weil bei ihm keine so lange Amtszeit zu
befürchten ist. Da können wir bald wieder ran.


> BTW: Der Begriff Spektakel kommt aus der Antike - angesichts
> einer Trauerfeier kann man ihn wohl nicht benutzen.
> Der Autor / Kritiker hat wohl keine humanistische Bildung erfahren.

Ich glücklicherweise auch nicht. Die Bildungspolitik hat erbärmlich versagt.


> Soweit noch mein Senf ...


Heretically yours Alfred
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #226346 ] Sa, 16 April 2005 08:24
Gregor Frowein  
Werner Jakobi <readbutspamfiltered [at] morver.de> wrote:

>Gregor Frowein <grgrfrwn [at] gmx.de> posted:
>
>>und es ist andererseits in den letzten 20,
>>30 Jahren kein Mensch gestorben, der deutlichere Spuren auf der Welt
>>hinterläßt.
>
>Richtig. Keiner, der in den letzten 30 Jahren gestorben ist, hat auch nur
>annähernd so viel Rückschritt bewirkt.

Ja, er hat den Fort-Schritt der Länder des europäischen Ostens in das
Goldene Zeitalter des Kommunismus vorzeitig beendet, das kann man ihm
bei uns nicht verzeihen.

Gottlob haben wir ja einen Kanzler, der die übriggeblieben Potentaten
streichelt, bis auch sie vom eigenen Volk verjagt werden. Aber das ist
ein anderes Feld, ich wollte nicht ablenken.

Gruß
Gregor
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #226347 ] Sa, 16 April 2005 08:38
Gregor Frowein  
Dynamic Devices Ltd. <ddsoft3 [at] aol.com> wrote:

>In <sahv51lchqrmfug831hl022ddpt8aak1jj [at] 4ax.com> Gregor Frowein schreibt:
>
>>begehen. Es hat in der jüngeren Geschichte schon fragwürdigere
>>Masse gegeben und es ist andererseits in den letzten 20,
>>30 Jahren kein Mensch gestorben, der deutlichere Spuren auf der Welt
>>hinterläßt.
>
>Gerade diese von der Presse gefoerderte Einstellung ist das, was
>diese Berichterstattung so unertraeglich macht.

Für die Qualität unserer Presse kan der Papst ja nichts. Ich hätte mir
fast gewünscht, daß sich die Agonie noch länger hingezogen hätte, um
die erbärmliche und absolut überzogene Berichterstattung komplett ins
Lächerliche zu ziehen

>Ich habe in den letzten Jahren einige Menschen verloren, die bei
>mir deutlichere Spuren als alle anderen hinterlassen haben.

Vielen Mensche geht es so und auch dieses Argument darf man nicht
gegen den Papst wenden.

>Und es gibt Millionen Menschen denen Gleiches im Bezug auf
>die ihnen Nahestehenden passiert ist. Tausenden allein in diesen
>zwei Wochen "oeffentlichen Papststerbens".
>
>Und dann wird einem eingehaemmert, der Papsttod sei etwas ganz
>besonderes, waehrend die eigenen Leute, die du vielleicht monatelang
>ohne Hoffung geflegt hast, nur unwichtige kleine Lichter waren.

Auch hier ist es eher die Folge einer aus dem Ruder laufenden
Medienmeute, die moralisch und intellektuell nicht geeignet ist, über
das Sterben wo auch immer zu berichten und in der tagelangen
Wiederholung der immer gleichen Nicht-Nachricht, daß der Papst nun
bald tot sein wird, wurde dieser Berichterstattungszirkus halt immer
bizarrer.

Im Videotext der ARD stand in Variationen, daß er stirbt, bald stirbt,
sicher bald tot sein wird etc und irgendwann hätte ich meinen Arsch
darauf verwettet, daß da am Ende stehen würde "Papst endlich tot"

>Diese Show war einfach nur ekelhaft, und da sie angeblich der
>ausdrueckliche Wunsch dieses Mannes war, hat sich wohl schon lange
>keiner mehr selbst freiwillig so blossgestellt.

Was meinst Du mit der Show? Daß sich Millionen Menschen in Rom
versammelt hatten oder die mediale Repräsentation? Im zweiten Fall
stimme ich Dir uneingeschränkt zu.

Gruß
Gregor
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #226349 ] Sa, 16 April 2005 09:47
AlfredNeumann  
"Gregor Frowein" <grgrfrwn [at] gmx.de> schrieb

> Ja, er hat den Fort-Schritt der Länder des europäischen Ostens in das
> Goldene Zeitalter des Kommunismus vorzeitig beendet, das kann man ihm
> bei uns nicht verzeihen.

Dort gibt es jetzt endlich blühende Landschaften und auch Religionsfreiheit.
Wir müssen Wojtila dankbar sein, daß er weltweit die moralischen
Voraussetzungen für paradiesische Verhältnisse geschaffen hat.
Die Hungerleider in Afrika saugen die Religion begierig ein, während
hierzulande die von irdischen Gelüsten pervertierten Seelen sich dem
Kirchgang verweigern.

Aber die Aussichten, dass auch bei uns die Kirchen wieder voller werden,
sind leider nicht schlecht.


Yours preaching Alfred
Re: Papstverlagerung ins Jenseits gewaltig übertrieben [message #226350 ] Sa, 16 April 2005 10:33
AlfredNeumann  
"Gregor Frowein" <grgrfrwn [at] gmx.de> schrieb


> Für die Qualität unserer Presse kan der Papst ja nichts. Ich hätte mir
> fast gewünscht, daß sich die Agonie noch länger hingezogen hätte, um
> die erbärmliche und absolut überzogene Berichterstattung komplett ins
> Lächerliche zu ziehen

Der Papst war erpicht darauf, sein körperliches Leid weltweit zu
demonstrieren, um den Sieg der christlichen Moral über das Fleisch bis zur
"Erlösung" als Ideal zu predigen und zu leben.
Er hat die Mediengeilheit durch sein öffentliches Auftreten als hinfälliger
Greis geradezu herausgefordert.

Gruss A.N.
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltigübertrieben [message #226356 ] Sa, 16 April 2005 16:11
Thomas Bliesener  
begin quoting, Gregor Frowein schrieb:
> Ja, er hat den Fort-Schritt der Länder des europäischen Ostens in das
> Goldene Zeitalter des Kommunismus vorzeitig beendet, das kann man ihm
> bei uns nicht verzeihen.

Mußte doch endlich mal klappen. Der erste Anlauf des Vatikans, diese
gottlosen Kommunisten zu besiegen, war ja bekanntlich grandios
gescheitert.
--
bli
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertri [message #226357 ] Sa, 16 April 2005 21:08
Hans Klein  
Alfred Neumann wrote:
>
> Mir hat schon immer die sanft-andächtige Stimme von Ratzimger
> gefallen. Er hätte sicher auch im deutschen Schlager mit einigen
> geringfügigen Textänderungen seinen Mann gestanden.

Jau, und die charts hätte er dank seiner Portokasse gleich in der ersten
Woche geknackt.

Leute schaut mal in den Spiegel und fragt euch welchem Verein ihr da
hinterher rennt. Religion diente immer nur zur Unterdrückung,
Fortschritt haben die noch nie gebracht. Es gibt ein hervorragendes Buch
über die Machenschaften des Vatikan, leider fällt mir grad der Titel
nicht ein.

Hans
Re: [OT] P [message #226358 ] Sa, 16 April 2005 21:18
Hans Klein  
Heinz Brueckner wrote:
> Mein Eindruck ist: Diese Schreibersleut' sind sauer, verstimmt, extra
> grimmig, weil sie sich sooo sehr wünschen, der Islam wäre ebenso
> zentralistisch organisiert: Sie hätten auch dort gern einen Chef, den
> sie mitsamt dem ganzen Laden so erle(di)gen könnten wie die Römischen.
>

Falsch der Chef hieß osamabinladen. Leider weiß man nicht ob man ihn
noch mal braucht und ihn dann wieder aufleben lassen soll oder ihn
endgültig für Tod erklärt. Ich denke mal irgendwann läßt man den wieder
auferstehen, Bilder kann man ja gezielt fälschen, und räumt den
Geldmarkt ab. Der Typ ist gerade dazu prädistiniert überschüssiges
Kapital zu vernichten. So was kann man doch nicht einfach sterben
lassen. Der Papst ist da kein Ersatz.

Hans
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltig übertrieben [message #226360 ] Sa, 16 April 2005 22:26
Notifier Deamon  
Post removed (X-No-Archive: yes)
Re: [OT] P [message #226361 ] Sa, 16 April 2005 22:26
Notifier Deamon  
Post removed (X-No-Archive: yes)
Re: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland gewaltigübertrieben [message #226362 ] Sa, 16 April 2005 23:09
Werner Jakobi  
Gregor Frowein <grgrfrwn [at] gmx.de> posted:

>>Richtig. Keiner, der in den letzten 30 Jahren gestorben ist, hat
>>auch nur annähernd so viel Rückschritt bewirkt.
>
>Ja, er hat den Fort-Schritt der Länder des europäischen Ostens in
>das Goldene Zeitalter des Kommunismus vorzeitig beendet, das kann
>man ihm bei uns nicht verzeihen.

Ich kann mich nicht daran erinnern, daß der Vatikan in irgendeiner Form
an der russischen Perestroika, am Zusammenbruch des russischen
Kommunismus oder am Zerfall des russischen Imperiums beteiligt gewesen
wäre.


Gruss, Werner
--
Morver, der Rollstuhl fuer kranke Windows-Newsreader und fuer OE.
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